Ladeerfolgsquote: eine neue Maßnahme, um das Laden von Elektrofahrzeugen zuverlässiger zu machen

Ladeerfolgsquote: eine neue Maßnahme, um das Laden von Elektrofahrzeugen zuverlässiger zu machen

Die beim Ausbau öffentlicher Ladenetze als wichtigste Maßnahme angesehene Maßnahme hat sich im Laufe der Zeit mehrfach geändert. Manchmal lag der Fokus einfach auf dem Zählen der Ladepunkte; in anderen lag der Schwerpunkt auf der installierten Ladekapazität, der verkauften Energiemenge, der technischen Verfügbarkeit (auch „Betriebszeit“ genannt) oder einer Kombination dieser Indikatoren.

In Deutschland wird ein neues Maß zur Bewertung der Zuverlässigkeit des Ladens von Elektrofahrzeugen eingeführt. Ziel der „Charging Success Rate“ (CSR) ist es laut National Center for Charging Infrastructure, den Erfolg von Ladevorgängen präzise und möglichst standardisiert zu messen.

Die Metrik wurde vom Zentrum in Zusammenarbeit mit der Elektromobilitätsberatung P3 entwickelt. Es soll Institutionen und insbesondere Ladestationsbetreibern (CPOs) dabei helfen, die Qualität des Ladens in ihren Netzen besser einzuschätzen und Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren.

Die oben hervorgehobene Verfügbarkeitsmessung spiegelt lediglich die technische Verfügbarkeit der Ladeinfrastruktur wider und entscheidet nicht darüber, ob ein Ladevorgang aus Nutzersicht tatsächlich durchgeführt werden kann. Wie in einem 19-seitigen Bericht des Beratungsunternehmens P3 festgestellt wird, kann eine Ladestation auch dann als voll funktionsfähig angesehen werden, wenn eine Sitzung nicht gestartet werden kann, beispielsweise aufgrund von Interoperabilitätsproblemen zwischen Fahrzeug, Ladegerät oder Back-End-Systemen.

Laut P3 zeigt eine Analyse von mehr als 20.000 Testladevorgängen in ganz Europa eine nutzerzentrierte Ladeerfolgsquote von 80 bis 86 Prozent in den letzten 24 Monaten, trotz einer theoretischen Verfügbarkeit von 99 Prozent.

Um die „Charging Success Rate“ zu entwickeln, führte P3 eine detailliertere Analyse der Ladenetzwerkdaten aus seinem „Charging Radar“ durch, einschließlich Faktoren wie der Dauer von DC-Ladevorgängen. Das Beratungsunternehmen ermittelte den Anteil der „normalen“ Ladevorgänge und bezeichnete Ladevorgänge, die weniger als vier Minuten dauerten, als ungewöhnlich kurz und wahrscheinlich auf einen Fehler hinweisend.

Diese kurzen Sitzungen machten etwa 6,3 % des Datensatzes aus, was bedeutet, dass 93,7 % der Sitzungen als regelmäßig eingestuft wurden, was deutlich unter der durchschnittlichen Verfügbarkeit von 96,2 % im gleichen Zeitraum liegt. Während sich einige Ladestationsbetreiber (CPOs) in der deutschen Stichprobe dem Verfügbarkeitsziel von 99 Prozent angenähert haben, hinken andere deutlich hinterher.

Ein anonymer Betreiber namens „CPO D“ verdeutlicht die Diskrepanz: Trotz einer Betriebszeit von 98,3 Prozent galten nur 86,2 Prozent seiner Ladevorgänge als regelmäßig, was in rund 14 Prozent der Fälle auf potenzielle Probleme schließen lässt.

Ladeerfolgsquote: eine neue Maßnahme, um das Laden von Elektrofahrzeugen zuverlässiger zu machen

Dieser Wert von 86 % spiegelt auch die durchschnittliche Laderate in Europa im Jahr 2025 wider. P3 hat in den letzten fünf Jahren mehr als 20.000 CCS-Ladevorgänge analysiert und dabei mehr als 80 Fahrzeugmodelle, mehr als 100 Ladestationstypen und 80 Ladepunktbetreiber (CPOs) abgedeckt. Auch wenn sich die Erfolgsquote von 49 % im Jahr 2021 deutlich verbessert hat, scheitert aus Nutzersicht auch im Jahr 2025 immer noch etwa jeder siebte Ladevorgang. Laut P3 traten die meisten dieser Ausfälle bereits vor Beginn des Ladevorgangs auf und werden daher von der Verfügbarkeitsmetrik nicht berücksichtigt.

Gleichzeitig bietet der Anteil der „regelmäßigen“ Ladevorgänge allein nur begrenzte Erkenntnisse, da er hauptsächlich das Nutzungsverhalten widerspiegelt. Die neue „Charging Success Rate“ soll ein vollständigeres Bild vermitteln. Es berücksichtigt den gesamten Ladevorgang: von der Authentifizierung und Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladegerät über die Autorisierung, die fehlerfreie Energieübertragung bis hin zum Erreichen des gewünschten Ladezustands, der Ladezeit und der gewünschten Leistung.

Nur durch die Kombination technischer Verfügbarkeit mit nutzerzentrierten Indikatoren lässt sich laut P3 die tatsächliche Qualität und Zuverlässigkeit der Ladeinfrastruktur realistisch einschätzen.

CSR kombiniert technische und benutzerzentrierte KPIs

Die „Charging Success Rate“ wird mithilfe des OCPP-Kommunikationsprotokolls (Version 1.6 oder höher) gemessen, dem De-facto-Standard für den Datenaustausch zwischen Ladestationen (EVSE) und dem Backend eines Ladestationsbetreibers. OCPP liefert Echtzeit-Statusdaten einzelner Ladepunkte und ganzer Standorte und ermöglicht so eine detaillierte Analyse der technischen und betrieblichen Leistung während des gesamten Ladevorgangs.

Eine erfolgreiche Ladesitzung, „Erfolgreiches Laden“ genannt, ist definiert als der Teil der Ladeversuche, der eine Transaktion auslöst, was bedeutet, dass die Station mit der Stromversorgung des Fahrzeugs beginnt und diese ohne Unterbrechung abschließt. Die Metrik kann auf verschiedenen Ebenen angewendet werden, von einzelnen Ladepunkten und Standorten bis hin zu ganzen CPO-Netzwerken.

Zur Berechnung der „Charging Success Rate“ definiert P3 zwei Sub-KPIs: die „Authentication Success Rate“ (ASR) und die „Transaction Success Rate“ (TSR). Der Authentifizierungserfolg bezieht sich auf den Anteil der Ladeversuche, bei denen die Ladestation erfolgreich mit der Stromversorgung des Elektrofahrzeugs beginnt.

Die „Transaktionserfolgsrate“ hingegen misst den Anteil der Aufladesitzungen, die von allen Benutzern innerhalb eines definierten Zeitraums erfolgreich abgeschlossen wurden, basierend auf einem bestimmten Kriteriensatz.

  1. Problemloser Abschluss der Abrechnungstransaktion – Die Abrechnungstransaktion wurde ohne technische Fehler abgeschlossen, die zu einer unerwarteten Unterbrechung oder Beendigung hätten führen können.
  2. Problemloses Ausstecken – Benutzer konnten das Fahrzeug ausstecken, ohne dass ein manueller Eingriff zum Lösen des Fahrzeugsteckers erforderlich war.

Die Autoren betonen, dass Qualität und Zuverlässigkeit der Ladeinfrastruktur nur durch die Kombination technischer und nutzerzentrierter Maßnahmen realistisch beurteilt werden können, was sich in der „Ladeerfolgsquote“ widerspiegelt.

Ziel ist es, dass Betreiber diese standardisierte Messung übernehmen und einen benutzerorientierten Benchmark in der gesamten Branche etablieren.

„Ladevorgänge müssen in allen Bereichen reibungslos ablaufen und sich nahtlos in den Alltag integrieren. Schwierigkeiten beim Starten einer Ladesitzung oder Unterbrechungen sind nicht nur für Nutzer frustrierend“, sagt Johannes Pallasch, Direktor und Sprecher der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur unter dem Dach der NOW GmbH. „Der reibungslose Ablauf des Ladens in der Praxis wird auch für den weiteren Erfolg der Elektromobilität entscheidend sein. Betreiber müssen daher in der Lage sein, Probleme im Ladeprozess schnell und einfach zu erkennen und zu beheben. Mit der Berechnungsmethodik der Charging Success Rate leisten wir gemeinsam mit der P3 Group einen wichtigen Beitrag dazu.“

„Aus Kundensicht ist die Verfügbarkeit eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für einen erfolgreichen Ladevorgang. Die Analyse der Felddaten zeigt eine erhebliche Lücke zwischen der rein technischen Bewertung der Verfügbarkeit und dem tatsächlichen Ladeerfolg aus Nutzersicht“, ergänzt Markus Hackmann, Geschäftsführer E-Mobilität und Energie der P3 Group. „Es ist daher unerlässlich, eine nutzerzentrierte Messgröße zu etablieren, die den realen Ladeerfolg valide misst und widerspiegelt. Mit unserem Ladeerfolgsraten-Ansatz schaffen wir erstmals echte Transparenz über die Zuverlässigkeit der Ladeinfrastruktur und liefern gemeinsam mit der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur konkrete Ansatzpunkte für Verbesserungen.“

nationale-leitstelle.de, p3-group.com (Whitepaper zum Download; beide Links auf Deutsch)

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